Südkurier

Veröffentlicht von Gudrun Deinzer am Donnerstag, 10. Januar 2013.
Kein Steinbruch bei Brunnadern
Ende eines fast 30 Jahre schwebenden Verfahrens
Abbau von Gneis und Granit wäre unwirtschaftlich.
Bonndorf - Einen Steinbruch bei Brunnadern wird es nicht geben. Das gaben bei einem gemeinschaftlichen Pressegespräch Bürgermeister Michael Scharf, der Geschäftsführer der Transport Beton Werke (TBW), Jürgen Ruf, und Oswald Rebmann, Gemeinderat aus Brunnadern, bekannt. Den letzten Ausschlag gaben Untersuchungen, die im Jahre 2011 nach der Übernahme der Geschäftsführung durch Jürgen Ruf, durchgeführt wurden.
„Man muss ja Millionen in die Hand nehmen, um einen Abbau zu bewerkstelligen", so Ruf. Dafür seien ihm und dem mitbeschließenden Beirat von acht Gesellschaftern der TBW die Gutachten aus den Jahren 1988 und 1990 „zu wenig aussagekräftig gewesen."
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Die Akte wird geschlossen. Einen Steinbruch in Brunnadern wird es nicht geben. Das erklärten Seite an Seite Bürgermeister Michael Scharf, der Geschäftsführer der interessierten Firma TBW, Jürgen Ruf, und der Gemeinderat aus Brunnadern, Oswald Rebmann.   BILDER: DEINZER Es waren die Proteste und schließlich wirtschaftliche Überlegungen, die das Aus für die Steinbruchvorhaben bei Brunnadern besiegelten.
An mehreren Stellen des unterhalb von Brunnadern gelegenen Geländes wurde bei den neuerlichen Untersuchungen bis zu 70 Meter tief in die Erde gebohrt. „Leider Gottes entsprach das Vorkommen nicht den Erwartungen", betonte Jürgen Ruf. Eine Schicht von fünf bis 25 Metern Sandstein überdecke neben einer so genannten Ruschel-Schicht das kostbare Gneisvorkommen und in nordwestlicher Richtung den Granit. Alleine die Lagerung des nicht benötigten Materials wäre zu aufwändig. Mögliche Finanzinvestoren winkten ab. Mit Partnern aus dem benachbarten Ausland wollte man nicht zusammenarbeiten, schon wegen der starken Bedenken, die Bürgermeister Michael Scharf angemeldet hatte.
Die Regionalität war Scharf nämlich ein besonderes Anliegen. Die TBW ist ein Unternehmen dessen Gesellschafter Handwerker und Materiallieferanten aus der Region sind. So sei auch die Idee von Anfang an gewesen, Material in der Region für die Region abzubauen, erklärte Scharf. Nur unter der Prämisse sei seinerzeit auch die Zustimmung im Gemeinderat (17 zu acht Stimmen) für das Projekt zustande gekommen. Ein Vorpachtvertrag der TBW mit der Gemeinde war bereits vor den Bohrungen im Jahr 2011 ausgelaufen.
„Solange ich Bürgermeister bin, würde es der Gemeinderat sehr schwer haben, diese Verfahrensakte wieder zu öffnen", betonte Scharf, der damit auch ein für ihn als Bürgermeister schwieriges Kapitel abschloss. Die Thematik hatte er zwar von seinem Amtsvorgänger Peter Folkerts übernommen. Als Befürworter des Projekts unter der Voraussetzung der Regionalität und der Wirtschaftlichkeit waren Michael Scharf, Verwaltung und einige Gemeinderäte dennoch heftigen Protesten aus Brunnadern ausgesetzt.
Bilanzierend zeigte der Schultes „große Dankbarkeit gegenüber Oswald Rebmann".  Trotz unterschiedlicher Meinungen zwischen ihm und dem SPD-Gemeinderat Rebmann, „ist er immer fair mit mir umgegangen, einigen war er zu wenig militant." Rebmann selber führte das Aus für den Steinbruch zwar schon letztlich auf den massiven Bürgerprotest zurück. „Aber man kann immer auf normaler Ebene miteinander umgehen." Allerdings betonte Oswald Rebmann auch: „Hätte man damals nicht zu oberflächlich gehandelt, hätte man sich viel Ärger erspart."

Die Geschichte eines Projekts
 
Das "Nein" zum Brunnaderner Steinbruch bedeutet das Ende eines fast drei Jahrzehnte alten Kapitels. 
  Peter Folkerts,
damaliger Bürgermeister von Bonndorf befasste sich erstmals 1985 mit den Möglichkeiten eines Steinbruchs bei Brunnadern. Ursprünglich war die Gemeinde selbst Antragstellerin.
  Die Kosten
für Gutachten und Untersuchungen belaufen
sich bei den Transport Beton Werken (TBW) und der Gemeinde auf jeweils rund 200 000 Euro.
1987
wurde das Projekt in den Regionalplan aufgenommen.
 1993
gibt es eine Umweltverträglichkeitsstudie. Zudem findet eine Bürgerversammlung statt.
 1995
formiert sich die "Bürgerwehr Brunnadern".
  1996
fällt der Beschluss für den Steinbruch im Stadtrat,
mit einer Mehrheit von 17 zu 8 Stimmen. Ein Bürgerbegehren gegen den Steinbruch wird abgelehnt. Bürger setzten einen "Neinstein" vor dem Rathaus, es gibt eine Unterschriftensammlung (1400) und Demonstrationszüge.
 1997
ist Gründung des Vereins zum Schutz des Brunnaderner Tals e. V.
 1999
schließt die Gemeinde einen
Pachtvorvertrag mit den TBW ab.
 2005
wird die Genehmigung des Steinbruchs durch das Landratsamt veröffentlicht, sie gilt bis August 2013.
  2006
wird eine Petition der Brunnaderner Bürger abgelehnt.
  2011
führen neuerliche Bohrungen zu einem negativen Ergebnis. (gud)