Der Grenzfrevler im "Birkle"

Der Grenzfrevler im "Birkle"

Wer früher von Brunnadern oder Dillendorf nach Bonndorf fuhr, kam am Gewann "Birkle" vorüber. Vermutlich stand dort einst eine - sonst selten vorkommend - auffällige Birke, die dem Flurstück den Namen gab.
In jener Gegend wurde von späten Heimkehrern eine dunkle, herumgeisternde Person gesehen, die auf einem Acker hin und her lief und immer wieder flehend rief: "Haue ha! Haue ha!" Auch zwei Burschen, welche zu mitternächtlicher Stunde vom Tanz in Bonndorf heimwollten, sahen die Gestalt, die ihnen rufend zuwinkte. Erschreckt flohen sie vorbei. Daheim und im Gasthaus erzählten sie davon. Bald sprach man in Brunnadern und Dillendorf darüber, die Gegend wurde verrufen, viele mieden nachts diesen Weg.
Um dem Geisterwesen zur Ruhe zu verhelfen, brachte ihm ein beherzter Mann die gewünschte Hacke. Er lief bis in die Nähe der Gestalt und warf ihr die Hacke zu Füßen. Dann grauste es ihm doch, und er rannte rasch davon. Am anderen Tag sah man, wie ein Teil des Ackers auf die andere Seite zum angrenzenden Grundstück gearbeitet war; Grenzfurche und Markstein waren ein breites Stück versetzt. Seit dieser Zeit wurde der Geist nicht mehr gesehen.

Aus welchem Ort der mutige Helfer mit der Hacke kam, darüber gibt es keine Klarheit. Denn die Brunnaderner und Dillendorfer nehmen dies natürlich jeweils für sich in Anspruch.

(nach Gottfried Eichkorn, Brunnadern)

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