Juhu – Steinbruch Brunnadern kommt!
- Die Glosse zur Steinbruchgenehmigung -

Steinbrüche braucht das Land! Je mehr, desto besser! Schon wegen dem Naturschutz! Und seien wir ehrlich: Hat nicht jeder schon mal heimlich davon geträumt, einen Steinbruch zu besitzen? Leider es ist da wie mit so vielem: Der Planet ist begrenzt, nicht jeder kann seinen Privatbruch haben. Jetzt bekommen wir wenigstens einen gemeinsamen!

Unseren fürsorglichen Bruchräten sei Dank! Bürgernah, unabhängig und mit mutigem Weitblick haben sie die richtige Entscheidung getroffen! Längst schon und zwingend erforderte das Allgemeinwohl Bonndorfs einen Steinbruch. Zwar soll es in Brunnadern Leute geben, die kurzsichtig lamentieren, sie müssten jetzt wohl 30 Jahre lang Lärm, Staub und Sprengerei ertragen. Lächerlich! Was sind 30 Jahre?! Und was soll kleinliches Klagen über Landschaftszerstörung wegen läppischer 5 ha Kraterloch! Schon immer war das Antlitz der Erde schöpferischem Wandel unterworfen. Wer wie unsere Stadtväter die Zukunft plant, denkt in anderen Dimensionen: Muschelkalkbänke der Wutachschlucht zeugen von früheren Meeren, Kohlenflöze am Südpol von blühenden Landschaften. Außerdem, stehen uns nicht sowieso Klimakatastrophen, Polsprünge, Eis- oder Heißzeiten ins Haus? Also, was soll 's! In 100 000 Jahren redet kein Mensch mehr vom Steinbruch Brunnadern!

Dabei profitieren wir hier und heute doch alle davon. Die Brunnaderner am meisten! Täglich das umtriebige Schauspiel vor dem Küchenfenster: purzelnde Felsen, hurtige Muldenkipper und LKWs, elegante Brecher, dazu kerniger Motorensound - kein TV-Programm ist spannender! Und dann der absolute Kick und Kitzel - das Sprengen! Zwei Mal die Woche lauschen sie lockenden Sirenen und gewaltigen Detonationen, spüren den Sprengerschütterungen nach und medita-tief in sich hinein: Ich bleibe ruhig, ganz ruhig. Ich spüre meinen Atem, meine Hände werden schwer usw. Und immer wieder dann beim Gang durchs Haus der begeisterte Jubelruf: "Der Riss ist neu!" Ja, da kommt Freude auf!

Doch wir Bonndorfer alle können uns beglückwünschend die Hände reiben! Mit 2 Mio. Euro in 21 Jahren führt die sprudelnde Geldquelle Steinbruch nicht nur zu Steuersenkungen. Nein, sie eröffnet der heimischen Wirtschaft einmalige Perspektiven, setzt starke Impulse für den Fremdenverkehr. Nun ist der Bau von Spaßbädern und Freizeitparks, Seniorenresidenzen, Sport- und Spieloasen keine Zukunftsmusik mehr. Der Kurverwaltung neue Top-Angebote im Bruchareal locken Touristen in Scharen an: geführte Geo-Wanderungen, Survival-, Spreng- und Kletterkurse, Freilichtspiele, Rock-im-Bruch-Nächte und andere Events. Bonndorfs Fremdenverkehr im Aufwind! Neue Arbeitsplätze! Alle reden vom Aufschwung, wir haben ihn! Halleluja selbst im Bildungszentrum - bockige Schüler durch heilsames Steineklopfen therapiert!

Auch unserem Bürgermeister wird warm ums Herz, wenn er aus dem Fenster schaut und unten schon wieder ein Schotterlaster vorbeiröhrt, ist doch jeder LKW ein froher Gruß aus Bruchadern, wo seine Lieblingskinder wohnen. Ach, wie sehnlichst hatte er sich einen Steinbruch gewünscht. Und jetzt hat er einen! Und was für einen schönen großen! Dankbar hebt er den Blick zum Himmel: Juhu, sie ist vorbei, die steinbruchlose, die schreckliche Zeit - auf die Koalition der Willigen im Rat ist halt Verlass! Da macht das Bürger Meistern Spaß! Bonndorfs großer Zukunft steht nichts mehr im Wege!